Wunschkonzert für Initiativen

In unserer Vorstellungsrunde erzählte jeder kurz von seiner Initiative und seiner „Vision“ für ein nachhaltiges München. Und wir hörten auch, was in diesem Jahr gut gelaufen ist.Um herauszufinden, was in München und dem Nachhaltigkeitsbereich besser gemacht werden könnte, wagten wir es, nicht nur nach den offensichtlichen Wünschen zu fragen, sondern in die Tiefe zu gehen, Gefühle hochzuholen und auch nachzuhaken: „Worüber ärgerst Du Dich wirklich?“ oder „Wo fühlt Ihr Euch ohnmächtig?“ Was hier gesagt wurde, hat uns alle tief bewegt und ein gutes Gemeinschaftsgefühl geschaffen.

Nach einer Mittagspause mit reichlich gerettetem Essen gliederten wir die zuvor zusammengetragenen Punkte in größere Themengebiete und wählten dann gemeinsam zwei Themen aus, bei denen wir nach konkreten Handlungsansätzen suchten und intensiv diskutierten.

Wie kann man engagierte Bürger und Gruppen zusammenbringen?

Dabei stellten wir fest, dass bereits vorhandene Plattformen - FÖBE (Förderung von Bürgerschaftlichem Engagement), Tatendrang, Gute Tat, Ehrenamtsmesse – hauptsächlich in den Bereichen Soziales und Bildung vermitteln. Dies ist historisch so gewachsen. Eine Idee wäre, dass ähnliche Datenbanken auch für ökologische Themen und andere neuere Herausforderungen aufgebaut werden sollten, so dass die nach diesen Themen Suchenden überhaupt angesprochen werden.

Auch wurde fast einheitlich festgestellt, dass die meisten Menschen (zunächst) keine langfristige Bindung an einen Verein oder ein Ehrenamt suchen und daher eine projektbezogene „Werbung“ sinnvoll ist. Und, kritisch mit uns selbst, stellten wir alle fest, dass wir uns, um neue Mitglieder zu gewinnen, zunächst die Frage beantworten müssen:

„Was hat ein Mensch davon, wenn er bei uns mitarbeitet?“

Ist diese Frage zufriedenstellend beantwortet, fällt es schon nicht mehr ganz so schwer, andere von der Tätigkeit zu überzeugen. Natürlich gab es auch konkrete Ideen zur Lösung:

  • Projektbezogen werben
  • Von der Stadt (u.a.) geförderte Plattformen wie Tatendrang & Co oder auch fairmuenchen.de nützen, weil diese wissen, wie man PR macht und sie sich auch für die Suche nach langfristig Engagierten eignen
  • Man sollte bei der Art der Maßnahme trennen zwischen: „Initative sucht Ehrenamtliche“ vs. „Ehrenamtliche(r) sucht Initiative“
  • Ehrenämter niederschwellig anbieten, keine Vorkenntnisse erwarten
  • Mit Spaß werben (Green City und Rehab Republic sind hier gute Beispiele)

In der Diskussion kam auch heraus, dass sehr viele Engagierte ihre eigenen Initiativen gründen, was zu einer schier unüberschaubaren Anzahl von Gruppen führt, die ihre Sache zwar gut machen, sich dabei aber leider auch oft vollkommen verausgaben ohne mitzubekommen, dass andere Projekte ähnliche Schwerpunkte haben. Manchmal werden diese sogar als Konkurrenten betrachtet. Diese vielen kleinen Initiativen zu vernetzen ist natürlich einer der Schwerpunkte der MünchnerMachbarn - da gibt es viel zu tun!

Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Initiativen.

Das war ein heikles Thema, denn aufgrund von politischen Änderungen kann der ehemalige stv. Bürgermeister Monatzeder seine schützende Hand nicht mehr über die Nachhaltigkeitsszene halten, was zu vielen als unerfreulich empfundenen Veränderungen geführt hat. Doch nicht nur das, auch im RGU gingen der Leiter J. Lorenz und Joachim Schwank, welche bspw. die Agenda21 mit aufgebaut hatten, in den Ruhestand. Dadurch gingen der Szene viele Kontakte verloren. Allen war natürlich klar, dass nichts beständiger ist als der Wandel, aber dies war ein Bruch. Doch die Veränderungen bringen auch Gutes mit sich: Man kann die Chance der veränderten Situation im RGU nutzen! Durch die Umstrukturierungen werden die Karten neu gemischt und auch neue Initiativen haben jetzt eine Chance auf Fördergelder, die sonst oft schon fix vergeben waren.

Wir konkretisierten die Herausforderungen und stellten fest, dass das Wissen über Betätigungsmöglichkeiten und darüber, wie man sich an der Stadtentwicklung beteiligen kann, oft fehlt. Leider mangelt es an Möglichkeiten zu echter Partizipation (= Mitbestimmung) bei allen Schritten des Entscheidungsprozesses bei Stadtverwaltungsangelegenheiten und der langfristigen Weiterentwicklung der Stadt.

Außerdem wird ein ehrlicher und beständiger Informationsfluss von Seiten der Stadt vermisst. Zudem hat das Thema Nachhaltigkeit (noch) keinen festen „Ort“ in der Stadtverwaltung, daher weiß man oft nicht, an wen man sich wenden kann. Und wieder wurden konkrete Ideen zur Lösung entwickelt:

  • Eine Übersicht über Partizipationsmöglichkeiten und -Wege in der Stadtverwaltung bereitstellen.
  • Ein erster Schritt könnte eine Infoveranstaltung des RGU über den „Agenda-Topf“ sein und darüber, welche anderen Fördermöglichkeiten es gibt.
  • Initiativen, die schon vom „Agenda-Topf“ profitiert haben, könnten Vertreter des RGU einladen. Andere Initiativen könnten dazukommen und lernen, wie man an diese Gelder kommen kann.
  • Mit konkreten Zielen sollen Gespräche zwischen Vertretern der Initiativen und der Stadtverwaltung in der Art eines „jour fixe“ initiiert werden.
  • Es sollte einen konkreten Ansprechpartner zu Themen der Nachhaltigkeit in der Stadtverwaltung geben (die „Münchner Initiative Nachhaltigkeit“ ist an diesem Thema dran und arbeitet aktiv!)
  • Die MünchnerMachbarn (oder ähnliche Initiativen) sollten als Sprachrohr für die einzelnen Sparten der Szene sprechen (uns ist aber bewusst, dass wir dies derzeit kaum leisten können, denn dafür fehlt uns nicht nur die Kapazität, wir wissen auch nicht wie wir allen gerecht werden könnten, ohne parteiisch zu werden).
  • Die Bezirksausschüsse könnten von lokalen Initiativen miteinbezogen werden, wichtige Themen der Initiativen könnten von den MünchnerMachbarn vorgestellt werden. Allerdings ist uns der sehr geringe Einfluss der Bezirksausschüsse klar, zudem arbeiten die MünchnerMachbarn stadtweit, nicht nur in einem einzelnen Bezirk.

Neben all den Herausforderungen gab es aber auch viel Positives zu berichten, bspw. dass in München genügend Geld vorhanden ist (wenn man sich der Quellen bewusst ist), dass es viele Orte gibt, wo Neues passiert (eine allgemeine Innovationsoffenheit) und dass es zahlreiche tolle Veranstaltungen (Tollwood, Streetlife, Isarinselfest, Hoffest Riem etc.) gibt, die die Themen der Nachhaltigkeitsszene in die Öffentlichkeit tragen und mit denen man kooperieren kann.

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